News 

Zurück

 

 


Paralympics in Athen 2004

 

 

Medaillenspiegel

 

http://portale.web.de/Griechenland/Paralympics/

 

http://www.athens2004.com/

 

 

 

Tagebuch

 

09. Sept. 04: Bald ist es soweit. Morgen um 9.05 Uhr geht der Flieger. Und ich hab noch so viel zu tun. Hab ich auch alles gepackt? Ich packe und mache durch bis morgens um 5 Uhr. Jetzt schnell noch unter die Dusche und den Rest ins Auto laden. Langsam wird mir mulmig. Es ist schon ein komisches Gefuehl, das 1. mal bei den Paralympics.

 

10. Sept. 04: Es ist kurz nach 6 Uhr, meine Eltern fahren mich auf den Flughafen nach Stuttgart. Am Flughafen angekommen sieht man die ersten Sportler schon von weitem. Sie haben alle die gleichen Klamotten an wie ich. Es ist schon komisch.  Man kennt sie nicht, weiss aber, dass man etwas mit Ihnen gemeinsam hat und bald kennen wird. Schliesslich werden wir ja 3 Wochen miteinander leben. Dann das Gepaeck aufgeben. Eine riessen Schlange steht am Schalter und wir mit 50 Kilo Ballast, einem Duschrollstuhl und meinem Rennbike. Ploetzlich kommt Conny! :o) Welch eine Ueberraschung! Sie will mich verabschieden, hilft mit beim einchecken, begleitet mich noch bis zum Flieger und schenkt mir einen weiteren Gluecksbringer: einen Alios! Nun habe einen in der linken Hosentasche (das Hundle von Eva) und Connys Gluecksbringer in der Rechten. Jetzt kann ja fast nichts mehr schief gehen. Nach den vielen sms die noch angekommen sind druecken auch noch mindestens 298635 Daumen! Sorry, wenn ich nicht allen anworten kann, danke an alle meine Fans! Endlich: Es geht los. Der Flieger landet schon kurz darauf in Frankfurt wo wir offiziell verabschiedet werden. Jetzt ist unsere Gruppe noch groesser und bei so manchem Satz der Ansprache habe ich mit den Traenen zu kaempfen. Dieses mal ist alles etwas anders wie sonst! Um 12.20 Uhr starten wir dann mit vollem Bauch in Richtung Athen. Nach 2,5 Std. Schlaf ueber den Wolken landen wir dann in Athen bei nur 21 Grad! Und ich habe mit ueber 30 gerechnet. Auch recht, aber morgen soll es schon wieder waermer werden. Bis alle Sportler endlich aus dem Flieger sind vergeht bestimmt eine Stunde! Und bis ich dann am Gepaeckfoerderband bin ist schon gar keines mehr da! Angeblich ist schon alles verladen und wir steigen in den Bus. Mit Polizeibegleitschutz werden wir dann ins olympische Dorf gefahren. Dort herrschen Sicherheitskontrollen wie auf dem Flughafen. Der Unterboden des Busses wird mit Spiegeln kontrolliert, dann duerfen wir rein. Ein Dorf soll das sein? Das ist ja fast eine Kleinstadt! Unser Bus faehrt 3 mal duch das ganze Dorf bis er unser Haus findet. Dort angekommen warten wir auf unser Gepaeck. Doch inzwischen plagt uns auch ein kleines Hungergefuehl, so dass wir uns entschliessen Essen zu gehen. In einem Festzelt, so gross wie auf dem Folksfest, gibt es den ganzen Tag Gerichte vom feinsten (und Mc Donalds), sowie allerlei Getraenke. Man braucht sich nur zu bedienen. WAHNSINN! Nach dem Essen kommt auch endlich unser Gepaeck und wir beziehen zu zweit unsere 8-Personen-Wohnung. Ich packe noch schnell meine Taschen aus und falle dann ins Bett, wo ich erstmal Schlaf nachhole.

 

11. Sept. 04: Ca. 9 Uhr weckt mich das heulen des Windes. Die hunderte von Fahnen im Dorf machen einen Krach, als wuerden tausende Menschen applaudieren. Gegen 12 Uhr entscheide ich dann Mittag zu stuecken. Zum Zelt sind es nur ein paar hundert Meter, aber dort angekommen habe ich mir das Essen echt verdient. Nicht nur der Wind, sondern auch Berge, hohe Bordsteine und Schotter machen es uns nicht einfach. In Zukunft werde ich wohl auf der Strasse fahren. Dort darf ja zur Zeit eh kaum ein Auto fahren und die paar sind fast nur Busse und fahren sehr langsam. Nachdem ich das Dorf etwas erkundet habe entschliesse ich mich mein Bike zu richten und etwas Berge zu trainieren. Das ist ja hier im Dorf kein Problem. Ich fahre ueber 20 km wie auf der 8erbahn mit langen Steigungen (ueber 200 Hoehenmeter) mit bis zu 10%. Aber die Abfahrten machen richtig Spass! Mit 54 km/h durchs Dorf (erlaubt sind nur 30). Aber nicht petzen, gell!? Sportler, die Handbikes noch nicht so kennen staunen nicht schlecht und ich werde fotografiert, als haette ich die Goldmedaille gewonnen. Anschliessend gehen wir mal wieder essen, wo wir viele alte Gesichter treffen. Es ist Wahnsinn! So viele Sportler aus soo vielen Laendern und alles ist sooo friedlich und freundlich!

 

12. Sept. 04: Eigentlich wollte ich heut viel frueher aufstehen und gleich morgens trainieren, aber irgendwie komm ich nicht in Schwung. Also faellt heut noch mal das Fruehstueck aus, es ist ja noch kein Programm angesagt. Nach einem ausgiebigen Spaetstueck und einem Plausch mit den Rugbyspielern, die mich fuer ihren Sport anwerben wollen, schwinge ich mich ins Bike und drehe meine Runden in unserem huegeligen olympischen Dorf. Die Berge ziehen sich auch heute noch genauso wie gestern und nach einigen flotten Abfahrten entscheide ich mich fuer eine kuehle Dusche, da es heute wieder einiges waermer ist. Ich glaube heute lege ich mich frueher hin, denn morgen hab ich vor, einmal das Dorf mit dem Rad zu verlassen und die Gegend ausserhalb etwas zu erkunden.

 

13. Sept. 04: Wie geplant verlassen wir das Dorf mit dem Bus. Wahnsinn! Wir haben einen Busbahnhof und wegen uns drei Hansel faehrt ein Stadtbus zig km in die Stadt. Das Bike habe ich allerdings nicht dabei, ich will zuerst mal sehen, ob ich mit dem Rad in den Bus rein fahren kann. Denn vom Dorf weg fahr ich lieber nicht mit meinem Handbike, da die Strassen hier sehr befahren sind. Also schauen wir uns mal in Ruhe das Olympiastadion an. Ein gigantisches, modernes Bauwerk aber die Wege sind schon so kaputt, als wenn sie ueber 50 Jahre alt waeren. Wahrscheinlich haben die Bauarbeiter diese mit dem Gewicht ihrer Maschinen gleich wieder kaputt gemacht. Schade! Langsam bekommen wir auch Temperaturen, wie man sie in Griechenland erwartet. Im Stadion herrschen Temperaturen wie in einer Sauna und die Luft steht. Ich kippe literweise Wasser ueber mich um mich abzukuehlen, genau so hab ich mir das vorgestellt. Das wird was geben beim Wettkampf, einmal um 14 Uhr und einmal um 16 Uhr! Aber es war ein schoener Ausflug! Wieder im Dorf angekommen ist unsere Ruhe vorbei. Viele weitere Sportler sind angereist und unser Appartement ist jetzt voll. Aber ich habe einen wirklich netten Zimmerkollegen bekommen, ein Pilot von einem blinden Tamdemfahrer. Langsam wird die Temperatur wieder angenehmer und ich schwinge mich ins Rad. Heut rollts richtig gut! Ich dehne meine Strecke aus und fahre drei mal so lange Steigungen am Stueck, wie ich sie im Rennen fahren muss. Ja, heut bin ich richtig zufrieden mit mir und langsam glaube ich, dass die Rennstrecke gar nicht so schlimm wird, wie sie im Hoehenprofil aussieht! Zum Abschluss des Tages bekomme ich noch eine gute Nachricht von unserem Trainer: Die Rennen finden doch schon morgens statt und nicht in der Mittagshitze! :o) Mit so einer Mitteilung gehe ich gerne ins Bett!

 

14. Sept. 04: Gut gefruehstueckt entscheide ich mich gleich zu trainieren, doch es sollte wohl nicht so sein. Unser Aufzug streikt mal wieder und der Monteur ist bei dem schoenen Wetter wahrscheinlich schwimmen gegangen. Jedenfalls kommt er nicht und alle kraeftigen Fussgaenger sind ausgeflogen. Also unterhalte ich mich etwas mit einer Schuetzin, die auf unserem Stockwerk wohnt und warte auf Hilfe. Also die Aufzuege hier sind ein grosses Problem! Jeden Tag klemmt mindestens einer. Naja, ich hab ja heute keine festen Termine, geniesse also etwas die Sonne und verschiebe das Training notgedrungen auf spaeter. Doch spaeter wurde es so brutzelbrutzelheiss, ich schaue lieber nicht auf das Thermometer, und ich entscheide mich fuer ein laengeres Abendtraining. Da nun ja doch am fruehen Morgen die Wettkaempfe stattfinden brauch ich ja auch nicht mehr in der Hitze trainieren. Gegen 19 Uhr wird es dann endlich angenehm und ich lege los. Zuerst ein paar mal unsere flache Strasse hin und her, dann den Berg hoch. Ich glaub so gut wie heute bin ich die Berge hier noch nie rauf gekommen! Nach unserer Teambesprechung und einem kleinen Drink auf dem Balkon legen wir uns schlafen.

 

15. Sept. 04: Nach dem vierten Tag Bergtraining in Folge spuere ich doch, dass ich etwas getan habe. Ich hoere auf meinen Bauch und entscheide, heute einen Regenerationstag einzulegen. Mit Johannes, unserem Co-Trainer, steige ich also in den Bus und wir fahren zum Segelhafen. Dort angekommen lassen uns die Waerter allerdings mit unserer Karte nicht rein und so fahren wir schon bald wieder zurueck ins Dorf. Am Dorfeingang denkt Johannes gleich wieder nur ans Essen, das gibt es hier ja den ganzen Tag. Doch ich ueberrede ihn, zuerst noch mein Bike durchzuchecken. So haben wir den 8er im Hinterrad entfernt, der beim Transport im Flugzeug reingekommen ist und noch ein paar Kleinigkeiten optimiert. Ich bin mal gespannt, ob ich morgen einen Unterschied merke. Kurz noch die erste Ladung Dreckwaesche zur Waescherei gebracht und dann erfuelle ich Johannes einen Wunsch: Ich gehe mit ihm Abendessen... ;o)

 

16. Sept. 04: Heute scheint wohl der bisher heisseste Tag zu werden und wir werden um 10 Uhr offiziell begruesst, mit Nationalhymne, Flaggenhissen usw. Die Begruessung dauert zwar nur eine knappe Stunde, aber in unserem langen Praesentationsanzug gehen wir fast ein. Meine Arme und Schulter haben sich wieder regeneriert, aber wetterbedingt beschliesse ich wieder, erst gegen spaeter zu trainieren und vorher noch etwas zu schwimmen. Ich war schon ueber ein Jahr nicht mehr schwimmen, das tut bestimmt gut und macht Spass. In der Zwischenzeit sind alle meine Gegner im Dorf angekommen und die ersten Radsportler duerfen schon zur Dopingkontrolle. Ich bleibe vorerst verschont. Dass Flo, der zweite deutsche Handbiker, zur Kontrolle gehen muss wundert mich nicht. Seine Arme sehen ja aus, als waeren es seine Oberschenkel, die ihm damals amputiert wurden! ;o) Aber ich bin mir sicher, dass er clean ist! Mein amerikanischer Konkurrent meint, dass er dieses Jahr wieder staerker ist wie bei der EM 2003. Bei der EM war er nicht so gut, ich war ueberrascht, denn 2002 bei der WM war er  sehr schnell! Das wird sicherlich sehr spannend und eng werden in meiner Klasse. Doch am meisten bin ich auf Ratislav Turecek gespannt, der beim letzten EHC-Rennen so gut war, als ich wegen einem Plattfuss nur zusehen konnte. 

 

Das schwimmen tat richtig gut! Obwohl das Wasser mit 28,5 Grad sehr warm ist hat es mich schoen abgekuehlt. Also, zurueck zum Haus, rein ins Bike und los geht's. Heute gehts prima bergauf, habe das erste mal in diese Richtung Rueckenwind. Dafuer muss ich den Berg runter richtig kurbeln um einigermassen Geschwindigkeit auf den Tacho zu bekommen. Obwohl die Hoechstgeschwindigkeit heute 5 km/h langsamer ist wie sonst bin ich im Schnitt 1 km/h schneller unterwegs. Zufrieden gehe ich essen und lege mich frueh schlafen, da ich morgen nicht viel freie Zeit habe.

 

17. Sept. 04: Heute springe ich frueh ins Rad, um 14 Uhr werden Fotos von der deutschen Nationalmannschaft geschossen und 17 Uhr muss ich mich schon fuer die Eroeffnungsfeier fertig machen. Doch heute macht es mir der griechische Wettergott nicht einfach! Es wird nochmals heisser und sehr windig. Der Berg macht mir heute zu schaffen, denn der Wind kommt mir bergauf entgegen. Dafuer ist die heutige Hoechstgeschwindigkeit bergab um 9 km/h hoeher wie hier je erreicht (63 km/h!) und den Fahrtwind bergab spuere ich erst ab ueber 30 km/h, so stark ist nun der Rueckenwind. Nach etwas ueber einer Stunde habe ich genug und ziehe mich um fuer den Fototermin. Der lange, glaenzige Praesentationsanzug soll es sein. Ich gehe in der Hitze im Park fast ein. Wofuer haben wir denn kurze Klamotten bekommen? Voellig geschwaecht von der Hitze gehen wir ins Essenszelt, da ist es schoen klimatisiert! Schnell noch eine Kleinigkeit futtern und dann noch etwas ausruhen, bevor es zur Feier geht. Ich fahre den Aufzug hoch und die Anderen kommen mir entgegen. Die Wohnungstuer geht nicht auf, das Schloss klemmt. So ein Mist, jetzt geht mal der Aufzug, dann geht die Tuer nicht auf. Versuche das Schloss auszubauen scheitern, nun will Neri, unser Radmechaniker, ueber den Balkon mit der Leiter einsteigen. Ich probiere in dieser Zeit die Tuer aufzuschliessen und... ...die Tuer oeffnet sich. Komisch, kein Mensch weiss was mit der Tuer war. Egal, jedenfalls ist nun keine Zeit mehr und wir machen uns ausgehfertig. Wie aus dem Ei gepellt rolle ich zum Aufzug, doch nun will mal wieder dieser nicht. Es ist zum... Unten warten zig Busse auf die Abfahrt zum Olympiastadion und wir sitzen in der Wohnung fest. Aber irgendwie schafft einer den Aufzug zu ueberlisten und wir rollen zum Bus. Mit Polizeischutz bewegt sich der Buskonvoi zum Stadion. Dort angekommen muessen wir noch lange auf den Einmarsch warten, werden mit Futtertueten (Obst, Gebaeck und Wasser) und Faehnchen versorgt. Endlich, die Schlange setzt sich in Bewegung. Wir sehen von aussen ein kleines Feuerwerk und rollen singend in Richtung Stadion. Wenn es kurz stockt machen wir Laolawellen und singen weiter um uns einzustimmen. "Jetzt gehts los - jetzt gehts los!", alle rufen mit. Wahnsinn, wir fahren ins ausverkaufte Stadion, das die Haelfte der Einwohner von Heilbronn fasst, sehen deutsche Flaggen bei den Zuschauern und freuen uns, wie wir begruesst werden.

 

17 September 2004, Olympic Stadium: Snapshot of the national delegations' parade at the Opening Ceremony ・ the 12th Paralympic Games ・ the 12th Paralympic Games ・ANA/PANTELIS SAITAS

 

Mitten im Stadion steht ein Baum, der immer unterschiedlich beleuchtet ist und um den das ganze Programm stattfindet, toll gemacht. Es dauert ganz schoen lange, bis alle Laender im Stadion sind. Die paralympische Fahne wird gehisst, dann kommt die Fackel. Sie wird von mehreren Sportlern eine Runde im Stadion getragen, bzw. gefahren, bis es ueber eine Kettenreaktion aus Feuerwerk das grosse Feuer auf dem Dach des Stadions entzuendet. Ein toller Augenblick, alle schauen nach oben zum Feuer. Doch das Abschlussfeuerwerk am Ende der Feier ist fast noch gigantischer, es geht im Kreis ums ganze Stadion, alle Koepfe kreisen. 

 

17 September 2004, Olympic Stadium: The

 

Die Eroeffnungsfeier ist vorbei und wir kriechen im Schneckentempo aus dem Stadion. Draussen warten wieder die vielen Busse auf uns um uns zurueck ins Dorf zu bringen. Auf dem Weg zum Bus umarmen uns viele Griechen, bedanken sich fuers kommen und wuenschen uns viel Glueck. Unglaublich, was hier abgeht! Im Dorf angekommen staerken wir uns noch etwas im Zelt bevor wir uns muede, mit einem Laecheln im Gesicht in Richtung Bett bewegen.

 

18. Sept. 04: Bei unveraendertem Wind mache ich mich mit Flo auf die Strecke. Wenn er mit seinem breiten Kreuz vor mir faehrt gehts gleich 2-3 km/h schneller. Ich hoffe nur, dass es an den Wettkampftagen nicht ganz so windig ist, die Steigungen reichen mir, doch ich will nicht jammern und drehe meine Runden im Dorf. Fuer dieses Wetter bin ich mit meiner Leistung ganz zufrieden. Gegen abend duerfen wir uns dann wieder einmal in unseren Anzug zwaengen, denn wir besuchen den deutschen Botschafter in seiner Residenz. Wieder werden wir in Bussen mit Polizeibegleitschutz chauffiert. Der laufende Verkehr wird angehalten, fuer uns gibt es keine roten Ampeln. Waaahnsinn! Beim Botschafter angekommen wird dann die deutsche und franzoesische Nationalmannschaft noch einmal begruesst. Auch unser Bundespraesident haelt eine kleine, schoene Ansprache. Im grossen, super gepflegten Garten steht eine Videoleinwand und eine grosse Lautsprecheranlage, damit Jeder die Reden verfolgen kann. Wir sind ja immerhin ein paar hundert Leute. Unser Bundespraesident ist ein echt angenehmer Gast, sucht Kontakt zu den Sportlern und fuehrt viele Einzelgespraeche. Gegen spaeter wird dann ein leckeres Buffet eroeffnet und es gibt Getraenke aller Art. Wir lernen wieder viele neue Leute kennen und fuehren nette Gespraeche, unter anderem mit den ersten deutschen Medaillengewinnern. Bis jetzt sieht es fuer Deutschland ja gar nicht schlecht aus, es waere schoen, wenn es so weiter geht! Morgen holt unser Radsportler Michael Teuber hoffentlich weiteres Gold, Silber hat er jetzt schon sicher. Gegen Mitternacht, als die Stimmung dann am Hoehepunkt angekommen ist, werden wir zurueck in unser Dorf gebracht. Wir waeren gerne noch etwas geblieben! Im Dorf angekommen trinken wir noch eine schnelle Tasse Tee, bevor wir uns ins Bett begeben.

 

19. Sept. 04: Leider ist Griechenland nicht ganz so rollstuhlgerecht wie Deutschland, so dass ich gestern wegen einem zu spaet gesehenen Hindernis aus dem Rolli gestuerzt bin. Mit voller Wucht auf den Ellbogen, alles ist blutig. Nicht so schlimm dachte ich und habe sofort die Wunde gesaeubert. Doch heute morgen war der Ellbogen dick und heiss, eine Schleimbeutelentzuendung! :o( Der Doktor verpasst mir eine Kuehlkompresse, Antibiotika, eine Salbe und meint, ich soll mich schonen. Schmerzen habe zwar keine, hoffe aber trotzdem, dass die Entzuendung schnell abklingt, da sie und Antibiotika den Koerper schon schwaechen koennen. Heute lasse ich das Rad also lieber mal stehen, relaxe und schmiere so oft es geht. Es sind ja zum Glueck noch 5 Tage bis zum ersten Rennen. Ein kleiner Trost: Michael Teuber hat wie erwartet Gold gemacht, auch Silber und Bronze durften die deutschen Radsportler feiern.

 

 

Die deutschen Bahnradfahrer haben die Medaillenausbeute weiter erhht: Michael Teuber holte in der Bahnrad-Verfolgung ber 3.000 Meter in der Klasse LC 4 die Goldmedaille. Hans-Peter Beier gewann in derselben Klasse Bronze. Tobis Graf sicherte sich in einem souvernen Lauf in der Klasse LC 3 die Silbermedaille in der Bahnrad-Verfolgung ber 3.000 Meter und verpasste die Goldmedaille lediglich um 0,089 Sekunden.

20. Sept. 04: Heute verbringe ich viel Zeit in der Horizontalen, um schnell wieder fit zu werden. Gegen Mittag dann der Besuch deim Doc. Er punktiert mir den Ellbogen, zieht ueber 20 ml aus dem entzuendeten Schleimbeutel und legt zur Komprimierung einen Verband an. Anschliessend lege mich zur Schonung wieder etwas hin, bevor ich mich gegen spaeter erneut zum Doc begebe. Er meint, es spricht nichts gegen Training und soll morgen wieder kommen. Also, schnell eine kleine Staerkung einwerfen und ein dann paar lockerere Runden drehen. Doch der Verband schneidet so sehr in die Ellbeuge, dass ich kaum die Kurbel drehen kann. Ich lass ihn mir entfernen und fahre 20 km im Dorf, es rollt ganz gut. Heut nochmal frueh ins Bett, und morgen gleich zum Doc, denn wir wollen am Mittag einmal auf die Rennstrecke. Ich bin mal gespannt, was uns dort erwartet, denn das Hoehenprofil sieht nicht einfach aus!

21. Sept. 04: Tagesplan heute: Doc besuchen, spaetstuecken, Strecke besichtigen, dann mal sehen, wieviel Zeit vom Tag noch uebrigbleibt. Beim Doc gibts heute nichts neues, er punktiert aber nicht. Also schnell etwas gefuttert und dann schnell zurueck ins Haus, denn wir wollen ja noch die Strecke besichtigen. Als dann irgendwann 16 Uhr vorbei ist und keiner kommt, beschliesse ich mit leicht dickem Hals etwas zu trainieren. Die Wartezeit haette ich gerne anders genutzt! Naja, Schlamm drueber, morgen ist neuer Tag! Heute sind uebrigens meine ersten Fans angekommen, die Eltern. Sie wollen mich morgen mal im Dorf besuchen kommen. :o)

22. Sept. 04: Meine Eltern sind im Dorf angekommen und wir wollen mit Johannes und Flo im 8-Sitzer-Bus die Strecke abfahren. Leider kommt Johannes mit einem 3-Sitzer an, 5 Sitze wurden ausgebaut! Adelbert hat ihm den falschen Schluessel gegeben und ist nicht mehr erreichbar. Naja, also fahren Flo und Johannes alleine mit dem Bus und ich fahre mit meinen Eltern im Stadtbus zu ihrem Mietwagen. Stundenlang irren wir dann in Athen herum, aber die Rennstrecke finden wir nicht. Ein Chaos herrsch hier in Athen! Spaeter stell sich heraus, dass wir ewig auf der Parallelstrasse gefahren sind. In der Abenddaemmerung steige ich dann am Olympiastadion in den Shuttle-Bus zum Dorf um, damit mich meine Eltern nicht mehr ganz zurueck chauffieren muessen. Jetzt noch schnell den Doc besuchen! So kann man auch einen Tag in Athen verbringen...

23. Sept. 04: So, morgen ist das erste Rennen! Das wird noch einmal ein hektischer Tag heute. Johannes will nochmal zur Strecke und fragt, ob ich mitkomme. Doch ich hab keine Lust mehr, ich seh die Strecke noch frueh genug habe ich beschlossen. Heute ist der Tag eh viel zu kurz. Ich sitze Ewigkeiten beim Doc, habe noch ein Gespraech mit Werner Schneider (Redakteur vom Rehatreff), warte lange beim Rollstuhlservice, dann noch Kleinigkeiten am Bike checken, usw... Der Tag ist ruckzuck rum, keine Zeit um aufgeregt wegen morgen zu sein. Oder bin ich tatsaechlich sooo cool? ;o) Ich denke mir, aendern kann ich nun eh nichts mehr und gehe frueh ins Bett. Um 4.30 Uhr klingelt ja schon der Wecker!

24. Sept. 04: Es ist 4.30 Uhr, der Wecker klingelt. So schnell wie heute bin ich hier noch nie aus dem Bett gekommen. Also, schnell ins Bad, zum Fruehstueck und ab in den Bus. Dort kann ich dann ja noch fast eine Stunde doesen. An der Rennstrecke angekommen ist gar nicht mehr viel Zeit uebrig. Schnell ins Rad, Startnummer dran, zum technischen Pruefer und warmfahren. Meine Fans sind inzwischen auch schon da, ich freue mich! Nun sehe ich auch endlich die Strecke, die es wirklich in sich hat! Dann endlich die Startaufstellung, doch was fehlt ist das Fuehrungsfahrzeug! Minuten zuspaet kommt es, dann der langersehnte Startschuss! Sofort nach dem Start kommt die erste Steigung. Wie erwartet verliere ich am Ende der Steigung den Anschluss an die Spitze, mein bekanntes Startproblem, wenn gleich nach dem Start Berge zu bewaeltigen sind. Der Puls will einfach nicht auf Touren kommen. Also beginnt fuer mich ein Einzelkampf gegen den Fahrtwind, waehend die vorderen Fahrer schoen Windschatten fahren koennen. Nach der zweiten Runde, der Puls lauft rund, ich komme an den auf Platz fuenf liegenden Ami ran. Ich fahre gleich vorbei und versuche weiter Zeit gut zu machen. Der Ami haengt mir am Hinterrad, doch an der langen Serpentine bergauf haenge ihn ab. Das erstes Zwischenziel ist erreicht, der amtierende Weltmeister im Strassenrennen ist hinter mir! Langsam komme ich an Wolfgang Schattauer ran. Er wird auch immer besser! Kein Wunder, er hat ja auch nicht das ganze Jahr geschlafen und war frueher Ironman (Triathlet), bringt also auch sehr gute Voraussetzungen fur das Handbiken mit. Doch auch ich kann zaeh sein und gebe alles, was mein Ellbogen hergibt! In der zweitletzten Runde bin ich nah dran, doch er hat zuerst das Gefaelle vor sich und gewinnt wieder Abstand. Meine Fans feuern mich an und ich weiss, dass ich ihn noch schaffen kann! Dann, es geht in die letzte Runde. Ich bekomme ein letztes mal Abkuehlung. Thomas Schmicking, Johannes und mein Eltern bewerfen mich mit Wasser. Das tut guuut! Am Ende des ersten Wendepunktes habe ich dann Wolfgang erreicht und fahre vorbei. Doch nun haengt er mir am Hinterrad und noch 5 km liegen vor mir. Ich gebe alles, lasse ihn nicht mehr vor. Wenn ich vor ihm den zweiten Wendepunkt am Ende der Serpentinenansteigung erreicht habe, dann habe ich es geschafft. Und tatsaechlich fahre ich am Berg auf dem grossen Blatt ca. 10-15 meter heraus, und es geht wieder abwaerts in Richtung Ziel. Platz 4 ist das Ergebnis, mein Ziel (eine Medaille) knapp verpasst, aber hart erkaempft und fuer die Umstaende ein Ergebnis, mit dem ich noch zufrieden sein kann. Realistisch gesehen war auch nicht viel mehr moeglich. Also gehe ich mit meinen Fans noch etwas Gyros vernichten. Da heute Alle von uns frueh aufstehen mussten und etwas muede sind trennen wir uns recht frueh. Ich fahre mit dem Bus zurueck ins Dorf, lege mich etwas hin und lasse mir den Tag noch einmal durch den Kopf gehen. Am Montag habe ich ja noch eine kleine Chance, an der ich natuerlich noch einmal alles versuchen und geben werde, auch wenn die Chancen dort eher etwas schlechter wie heute stehen...

25. Sept. 04: Heute bin bei Herrn Suesser, dem General Manager von Lufthansa fuer Griechenland und Zypern, eingeladen. Er kommt aus meiner Heimat (Neckarsulm) und ich habe ihn bei der Begruessung beim deutschen Botschafter kennengelernt, ein sehr sympathischer Mann. Eigentlich wollte er mich im Dorf abholen, doch die Security laesst das nicht zu. Also fahre ich mit dem Bus zum Stadion, wo ich von ihm abgeholt werde. Leider schaffe ich es aus organistorischen Gruenden nicht ganz puenktlich zu sein, aber Familie Suesser wartet geduldig mit einem leckeren Fruehstueck auf mich, das wir dann mit einer Flasche Champagner abrunden. Klasse! Der Hund begruesst mich, als ob wir uns schon Jahre kennen wuerden und schon ewig nicht mehr gesehen haetten. Wir fuehren nette Gespraeche und Lara, die aeltere Tochter, stellt mir noch ein paar Fragen. Sie arbeitet an der Paralympicszeitung mit und moechte vielleicht ein paar Zeilen ueber mich schreiben. Spaeter werde ich dann noch von Herrn Suesser ins Dorf chauffiert, wenn ich mit im Auto sitze darf er bis vor das Tor fahren. Wir tauschen unsere Visitenkarten und verbleiben, in Kontakt zu bleiben. Ich freue mich schon jetzt auf ein Wiedersehen! Am Abend kommt noch ein Anruf von meinem Cheffe, er ist in Athen gelandet. :o) Eigentlich wollte er schon zum ersten Rennen da sein, hat aber leider keinen Flug mehr bekommen. Schade! Nun sind 8 Heilbronner Fans da! Ich bin begeistert! Morgen werden wir uns einmal in Athen mal treffen, ich freue mich!

26. Sept. 04: Nach dem Doctor futtere ich noch schnell meine erste Portion Nudeln, dann fahre ich mit dem Bus zum Olypiastadion, um Cheffe mit Frau zu treffen. Bis wir uns dort finden vergehen allerdings Ewigkeiten, obwohl wir zeitweise gar nicht weit von einander entfernt sind. Aber zum Glueck gibt es ja Handys und wir treffen uns unterhalb der olympischen Flamme. Von dort aus gehen wir dann ein Basketballspiel ansehen. Dort treffen wir auch Ute mit Elke, Andreas und Sieglind. Anschliessend ist Tennis und Leichtathletik angesagt. Es herrscht eine tolle Stimmung in den Stadien. Am spaeten Nachmittag fahre ich mit dem Bus zurueck ins Dorf, denn morgen ist mein Einzelzeitfahren und es sind noch ein paar Kleinigkeiten vorher zu erledigen. Um 9 Uhr haben wir dann noch eine kleine Mannschaftsbesprechung und gegen 10 Uhr begebe ich mich ins Bett. Um 4 Uhr muss ich ja schon wieder aufstehen und fit fuer das Rennen um 9:02 Uhr sein.

27. Sept. 04: Es ist 4 Uhr, der Wecker klingelt. Nun heisst es: schnell raus, fruehsuecken und dann ab zum Bus. Um 9:02 Uhr ist mein Start fur das Einzelzeitrennen und der Bus braucht fast eine Stunde um uns an den Start zu bringen. Dort angekommen fahre ich mich lange auf der Rolle ein und hoffe, heute einen besseren Start wie am Freitag hinzulegen. Denn eigentlich ist mir die Strecke von 5,5 km viel zu kurz und zweitens geht es wieder gleich nach dem Start bergauf, was mir ja gar nicht liegt. Ich fahre bis ca. 4 Min. vor dem Start, setze dann schnell den Helm und die Brille auf. Johannes nimmt mein Rad von der Rolle und ich fahre 100 Meter vor bis zur Startrampe. Nun sind es nur noch ca. 1,5 Min. zum Start. Vor mir startet einer, sehe aber gar nicht mehr wer es ist. Ist aber auch egal, ich muss ja "nur" gegen die Uhr kaempfen. Endlich stehe ich auf der Rampe und die letzten Sekunden werden rueckwaerts gezaehlt. Spaetestens in einer viertel Stunde wird alles vorbei sein! Dann das Startsignal, ich ziehe an der Kurbel und gebe alles! Ich starte wirklich gut, fahre auf dem grossen Kettenblatt mit ueber 20 km/h die erste Steigung hoch. Heute bin ich vom Start weg gleich viel schneller wie am Freitag und hoffe, mindestens wieder den 4. Platz zu erreichen, denke aber auch schon an eine Medaille. Und das, obwohl die Chancen heute kleiner wie am Freitag sind. Dann, die bekannte Serpentine am 2. Wendepunkt liegt vor mir. Ich fliege an der Steigung am Ami vorbei, als ob er stehen wuerde und am Freitag lag er 2 Runden lang vor mir. Super! Ich ziehe weiter an der Kurbel wie ein Ochse, doch kurz vor der Wende faehrt Christoph, der Oesterreicher, an mir vorbei. Ich versuche, mit gleicher Motivation weiter zu fahren und als ich durch das Ziel fahre liege ich auf Platz 2 oder 3. Doch leider sind noch einige Fahrer auf der Strecke und ich rutsche langsam bis auf Platz 5 ab. Schade, es hat wohl nicht sollen sein. Auf dieser Strecke merkt man den Unterschied zwischen den Behinderungen innerhalb einer Klasse doch mehr, als auf flacheren Strecken. Aber ich habe alles gegeben, fuehle mich nun zwar nicht wie ein Gewinner, aber auch nicht wie ein Verlierer, obwohl es hier meine erste grosse internationale Veranstaltung war, von der ich ohne Medaille heim fahren muss! Aber ich habe ca. 3 Minuten auf den Amerikaner gut gemacht, der noch das Strassenrennen bei der WM 2002 gewonnen hat und dort im Einzelzeitfahren als Zweiter nach mir ins Ziel fuhr. Ich weiss, dass ich ganz gut hier war, die Anderen waren halt etwas vor mir im Ziel und endlich ist der ganze Druck weg! Mein Fanclub geht mit mir eine Kleinigkeit essen. Ich hoffe, sie nicht zu sehr enttaeuscht haben, aber ich habe ja immer gesagt, dass es hier nicht leicht fuer mich werden wird, etwas zu gewinnen. Ich mache mir Gedanken, wie meine sportliche Zukunft aussehen soll. Mal sehen, jedenfalls wird das Rad demnaechst mal fuer eine Zeit lang nicht bewegt!